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    Kooperationsvertrag mit der Universität Heidelberg und dem Heidelberg Zentrum Kulturelles Erbe [mehr . . .]

    Projekt ‚Denkwerk‘ der Robert-Bosch-Stiftung mit der Universität Heidelberg und Gymnasien [mehr . . .]

    Heidelberg Karlsruhe Research Partnership (HEiKA): Forschungsprojekt MUSIEKE [mehr . . .]




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© Mannheimer Morgen, 7. Oktober 2016

„Römerkoffer“ als neues pädagogisches Instrument vorgestellt

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© diverse, Juli 2016

Kampf um Ladenburg zwischen Bischof und Pfalzgraf

[Mannheimer Morgen . . .]
[Mannheimer Morgen . . .]
[RNZ . . .]



© Rhein-Neckar-Zeitung, 25. Mai 2016

Museum hat eigene Publikationsreihe

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© Mannheimer Morgen, 19. Mai 2016

Erstes Buch der Reihe LARES vorgestellt

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© Mannheimer Morgen, 22. Mai 2016

Großer Andrang beim Internationalen Museumstag

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© Rhein-Neckar-Zeitung, 26. April 2016

Ladenburgs historisches Erbe ist auf dem neuesten Stand der Forschung

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© Rhein-Neckar-Zeitung, 14. März 2016

Eberhard Bitter im Ladenburger Kunstverein: Bilder wie Körperwelten in Öl

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© Mannheimer Morgen, 9. März 2016

Dynamik der Körper in Öl und Tusche gebannt

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© Mannheimer Morgen, 4. März 2016

Schüler gestalten eine Ausstellung zum Hochmittelalter

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© Mannheimer Morgen, 19. Oktober 2015

„Dagobert“ macht Besuch im Museum richtig spannend

"Ganz toll", findet es Professor Bernd Schneidmüller von der Universität Heidelberg, was Ladenburger und Heidelberger Schüler im Lobdengau-Museum der Römerstadt auf die Beine gestellt haben. Doch nicht nur der Fachmann für mittelalterliche Geschichte war begeistert. Auch Sandra Barthel, die mitwirkende Geschichtslehrerin am örtlichen Carl-Benz-Gymnasium (CBG), stellt überwältigt fest: "Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt."
Um was geht es? Am vergangenen Freitag wurde im Ladenburger Lobdengau-Museum die von Schülern für Schüler konzipierte Ausstellung "Dagoberts Ladenburg? ÜberReste des frühen Mittelalters" eröffnet. Insgesamt elf heutige Zehntklässler von Kurfürst-Friedrich-Gymnasium Heidelberg und CBG Ladenburg hatten viele Monate lang in Arbeitsgruppen außerhalb des Unterrichts auf die nun so gelungene Präsentation hingearbeitet, und zwar mit geisteswissenschaftlichen Methoden unter Anleitung von Historikern der Universität Heidelberg und weiteren Fachleuten.
"Man sieht dieser fantastischen Ausstellung nicht an, wie viel Schweiß und Hirnschmalz investiert wurde", sagt Museumsleiter Dr.?Andreas Hensen bei der Eröffnung und würdigte alle Beteiligten. Ihm ist es gelungen, eine bedeutende archivalische Quelle aus der Handschriftenabteilung der niedersächsischen Landesbibliothek zu beschaffen, in der die Schenkung Ladenburgs durch König Dagobert I. an das Bistum Worms im Jahre 628 behauptet wird.
"Großartig, diese Leihgabe: Die Urkunde ist ein sensationelles Stück", lobt Professor Schneidmüller den Coup. Mit jenem lateinischen Schriftstück hatten sich die Schüler ebenso eingehend befasst wie mit archäologischen Funden: Zweischneidschwert und Schmuck sind in Vitrinen zu sehen. Ein gezeigtes Bronze-Gehänge ist Thema der illustrierten Broschüre "Die Adlerfrau". Dass die Jugendlichen auch gelernt haben, Quellen zu hinterfragen und nicht unkritisch "abzukupfern", davon zeigt sich Besucher Dr. Hans Rein (Ladenburg) besonders angetan.
"Anfangs war es mühsam, aber jetzt bin ich stolz, dass ich dabei geblieben bin", sagt der 16-jährige CBG-Schüler Sebastian Wölke (Friedrichsfeld). "Wir haben auf jeden Fall profitiert, auch wenn wir nicht Geschichte studieren sollten", waren sich Janis Larenz und Phillip Götz als Schüler von KFG-Geschichtslehrer Frederik May einig. Folgende weiteren Schüler führten in die Schau ein und standen für Fragen zur Verfügung: Marie Engler, Casandra Weinelt, Leo Sauer (CBG), Penelope Berwarth, Pauline von Holst, Silvie Pölzer, Quentin Radlwimmer und Jacob Schlittgen (KFG).

(pj)




© Rhein-Neckar-Zeitung, 17. August 2015

RNZ-Sommertour 2015: Mit dem Fahrrad in die römische Geschichte

Es ist ein unauffälliges Monument, das da kurz vor Ladenburg am Wegesrand steht: ein Sandstein, keine Inschrift, oben die Reste eines steinernen Pinienzapfens, das Symbol für die Ewigkeit im Totenkult. "Es ist ein bisschen provinziell", meint Andreas Hensen, "aber dabei handelt es sich tatsächlich um ein römisches Original - nämlich um einen gut erhaltenen Altar."

25 RNZ-Leser werden von nun an einen anderen Blick auf diesen Stein haben - so wie auf viele andere Monumente, die ihnen bei der RNZ-Sommertour am vergangenen Freitag begegneten. Denn da hieß es "Archäologie und Geschichte mit dem Fahrrad erleben". Gemeinsam mit Dr. Andreas Hensen, Archäologe und Leiter des Lobdengau-Museums in Ladenburg, machten sie sich mit den Rädern auf den Weg von Heidelberg nach Ladenburg. Insgesamt neun Stopps hatte Hensen für die Leser vorgesehen - "schon ein sportliches Programm", meinte der Althistoriker. Doch schließlich handle es sich um eine "Fahrt durch knapp zwei Jahrhunderte römische Geschichte". Und die ist an vielen Stellen auf der rund acht Kilometer langen Strecke noch gut sichtbar. Angefangen mit einem Findling an der Heidelberger Neckarwiese, der an die römische Brücke über den "Nicer" - den Neckar - erinnert. Etwa 260 Meter lang muss diese Brücke gewesen sein. "Das weiß man, da die Eichenholzstämme, auf denen die Steinpfeiler der Brücke ruhen, in den 1870er Jahren bei extremem Niedrigwasser zutage getreten sind", so Hensen. Nördlich der Brücke in Neuenheim kamen die Leser schließlich am Kastell vorbei, das zu Zeiten des Kaisers Vespasian (Hensen: "Der, der Steuern auf die gewerbliche Nutzung von Urin und Fäkalien erhob.") erbaut wurde. Von der westlichen Seite des Kastells aus gelangt man auf die Römerstraße, die das Heidelberger Kastell mit dem in Ladenburg verband. Während Ladenburg seinen römischen Namen schon gefunden hat - nämlich Lopodunum - stehen die Archäologen, was Neuenheim angeht, noch vor einem Rätsel: Denn der Name wird noch gesucht. Sowieso fällt Neuenheims Funktion gegenüber der Ladenburger historisch gesehen ab. Denn während die Soldaten des Hilfstruppen-Kastells in Heidelberg gegen 130 nach Christus abgezogen wurden und Heidelberg zum Dorf wurde, entwickelte sich Ladenburg zur Metropole. Historiker vermuten, dass dort zwischen 3500 und 5000 Menschen lebten. Grundlage für diese Schätzungen sei unter anderem die Größe des Auditoriums des antiken Theaters gewesen, erklärt der Historiker. Anhand des Grundrisses könne man feststellen, wie viele Menschen dort Platz gefunden hätten - und so die Einwohnerzahl Lopodunums rekonstruieren. Übrigens: Dass in Lopodunum überhaupt ein Theater gebaut wurde, "könnte ein Zeichen für den damaligen Wohlstand der Gegend sein", meint Hensen. Der ließe sich auch an den Grabfunden gut ablesen. Das bis dato größte Gräberfeld wurde südlich des heutigen "Bioquant" im Neuenheimer Feld entdeckt - dort, wo die Römerstraße "schnurgerade" nach Ladenburg führt. Als das Universitätsbauamt das Neuenheimer Feld in den Fünfziger und Sechziger Jahren als Baufeld entdeckte, hatten die Arbeiter dort ständige Begleiter: Archäologen. Fast 1500 Gräber fanden die in dieser Zeit - "eine ungeahnte römische Nekropole", berichtet Hensen. Die Uni hat das Feld überbaut, Reste der Gräber zeigt das Kurpfälzische Museum. Echtes "Römergefühl" kommt unterdessen direkt in Ladenburg auf. Dort führte Hensen die Sommertouristen in eine antike Ausgrabungsstätte unterhalb eines Mehrfamilienhauses. Dort stieß man bei Bauarbeiten auf Reste des Kastells und des damaligen Forums - dem politischen Zentrum Lopodunums. Dort hatte auch der Kommandant sein Wohngemach. Und weil sogar das Wandfresko des Zimmers gefunden und rekonstruiert werden konnte, kann man heute die Deckenhöhe abschätzen: "Die muss gut fünfeinhalb Meter hoch gewesen sein", erklärt Hensen, der als Student noch gelernt hat, dass man "in den Nordprovinzen niedrig baute". Doch Lopodunum sei.
(Anica Edinger)




© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 14. August 2015

Gymnasiasten nehmen Ohrringe des toten Kindes unter die Lupe

Am 16. Oktober öffnet eine ungewöhnliche Ausstellung im Lobdengaumuseum. Ungewöhnlich, weil sie von insgesamt 20 Schülern des Ladenburger Carl-Benz-Gymnasiums und des Heidelberger Kurfürst-Friedrich-Gymnasiums federführend gestaltet wird. "Dagoberts Ladenburg? ÜberReste des frühen Mittelalters" soll der Titel lauten. Neue Erkenntnisse über Ladenburg in dieser Epoche wird es geben. Viel gelernt haben bereits jetzt die beteiligten Schülerinnen und Schüler der 9. bis 12. Klassen.

"Bei einem Treffen haben wir eine Kiste vom Dachboden des Museums aufgemacht. Da lagen zwei silberne Ohrringe drin, weitere Gegenstände und ein Skelett", erzählt Sebastian. Die Gymnasiasten machten sich dann daran, die Ohrringe aus dem Kindergrab zu untersuchen und datierten sie anhand von Vergleichsstücken in der Literatur auf die Zeit um 600 nach Christus. "Dass das Kind wertvollen Schmuck mit ins Grab bekam, könnte zeigen, dass es seinen Eltern viel wert war", äußert Philipp eine Theorie.

Eine andere Gruppe befasste sich mit einer Scheibenfibel. "Weil sie uns von der Form her an die Meisterschale im Fußball erinnert hat", begründet Leo die Wahl. Fasziniert zeigt er sich von der Herstellungsweise, der Tauschierung. Ein Goldschmied erzählte ihnen, dass diese Technik heute "überaltert" ist und kaum mehr angewandt wird. Auch ein Schwert aus dem frühen Mittelalter, eine Spatha, nahmen die Gymnasiasten unter die Lupe.

"Privatvorlesungen"

Das ist die Praxis. Doch auch die Theorie nahm großen Raum ein. Jakob erzählt von Vorlesungen über die Völkerwanderung und wie die Teilnehmer gelernt haben, mit wissenschaftlichen Quellen zu arbeiten. Welche Wertschätzung das Projekt an der Universität Heidelberg genießt, zeigt schon allein die acht "Privatvorlesungen" von Historikern und Kunsthistorikern für die Gruppe.

Zwei Arten von Texten verfassen die Schüler für die Ausstellung: solche mit wissenschaftlichem Anspruch und andere, die sich gezielt an Jugendliche wenden, zum Beispiel mittels Dialogen von erfundenen Personen. Damit nicht genug: Die Erarbeitung eines Werbekonzepts und Pressearbeit zählen ebenfalls zu den Aufgaben der Schüler. "Man muss sich selbst überlegen, was man machen will", erläutert Jakob. "Die Professoren geben nur Tipps."

Neue Erkenntnisse bringt das Projekt "Denkwerk" auch den Pädagogen. Für CBG-Geschichtslehrerin Sandra Barthel bedeutet es, die Stadtgeschichte zu erforschen, an der Ausstellung mitzuwirken und einen anderen Zugang zu den Schülern zu finden. "Wir wollen unseren Schülern Einblicke in die Arbeitswelten von Historikern geben", erklärt Frederik May vom Kurfürst-Friedrich-Gymnasium.

"Für mich ist das ein Glücksfall", bewertet Dr. Andreas Hensen, der Leiter des Lobdengaumuseums, das Projekt "Denkwerk" der Robert-Bosch-Stiftung, die das Vorhaben sponsert. Der Heidelberger Prof. Dr. Jörg Pelzer hatte die Teilnahme angeregt.

Gefälschte Urkunde

Doch was hat die Ausstellung mit Dagobert I. zu tun, der in ihrem Titel hervorgehoben wird? Zu den Glanzstücken der Schau zählt eine Urkunde des Merowingerkönigs, in der die Schenkung Ladenburgs und seines Umlands an das Bistum Worms von 628 erwähnt wird. Mittlerweile ist klar, dass es sich dabei um eine spätere Fälschung handelt. Mit der Ausstellungseröffnung endet die erste Phase des Projekts; die zweite behandelt das Spätmittelalter in Ladenburg. 2017 soll es Thema einer wesentlich größeren Schau sein.

Hat die intensive Beschäftigung mit einem Ausschnitt der Ladenburger Historie nun bewirkt, dass Schüler Geschichte zum Beruf machen wollen? Jakob hält dies für durchaus möglich. Ansonsten gibt es andere Wünsche: zweimal Medizin, je einmal Filmproduktion, Architekt, Psychologe und "weiß noch nicht".
(k.b.)




© Rhein-Neckar-Zeitung, Januar 2015

Museumsleiter Andreas Hensen über die Zukunft kleiner Museen

Wie sieht die Zukunft kleiner Museen aus? - Andreas Hensen, Leiter des Ladenburger Lobdengau-Museums, weiß: "Wir müssen neugierig auf uns machen."

Wer sich für die Geschichte der Metropolregion interessiert, für den ist ein Besuch im Ladenburger Lobdengau-Museum quasi ein Muss. Hier wird die bedeutende römische Vergangenheit der Stadt gezeigt, auch die Periode als Residenz der Wormser Bischöfe ist äußerst interessant.

Als Dr. Andreas Hensen im März 2012 die Leitung des Museums übernahm, fand er ein gut bestelltes Haus vor, das ihm vom langjährigen Museumsleiter und Ehrenbürger der Stadt Ladenburg, Dr. Berndmark Heukemes, hinterlassen wurde. Die RNZ hat mit Hensen unter anderem über die Zukunft von kleineren Museen, die im Wettbewerb mit den großen Museen der Metropolregion stehen, gesprochen.

Sie haben Einblick in große Museen wie das Kurpfälzische Museum in Heidelberg und sind selbst Museumsleiter in Ladenburg. Gibt es unterschiedliche Aufgaben, und welche Museen haben es schwerer?

Das deutliche größere Kurpfälzische Museum, an dem ich mehrere Jahre gearbeitet habe, hat ein ganz ähnliches Profil wie das Lobdengau-Museum: Beide Häuser bilden anhand von archäologischen und schriftlichen Zeugnissen, Alltagsgegenständen und Kunstwerken die Geschichte einer Stadt und deren einstmaliges Herrschaftsgebiet ab. In zwei Punkten hat das Lobdengau-Museum ein ‚Handicap‘: Die regulären Öffnungszeiten sind äußerst beschränkt und die personelle Stärke steht in einem Missverhältnis zu den vielfältiger werdenden Aufgaben und zur wachsenden Nachfrage an Veranstaltungen und Gruppenführungen.

Was muss getan werden, damit auch kleinere Museen optimistisch in die Zukunft blicken können?

Hier sind wir zunächst einmal selbst gefordert: Kleineren Museen sollte es gelingen, ihre ‚Alleinstellungsmerkmale‘ deutlich herauszustellen und neugierig zu machen. So wird auch die Zahl der Gäste weiterhin zunehmen, die in dieser schönen Stadt, die einst römischer Hauptort und Bischofsresidenz war, etwas Besonderes, Einmaliges erleben wollen. Das gelingt allerdings nur, wenn Ladenburg in seiner Gesamtheit diese Chance auch begreift und sich einem qualitativ hochwertigen Kulturtourismus öffnet.

Dem Museum steht jetzt mit der ehemaligen Heukemeswohnung Raum für Sonderausstellungen zur Verfügung. Wie wichtig sind solche Ereignisse?

Diese Veranstaltungen sind wichtige Zugpferde unserer Arbeit. Seit Herbst 2013 konnten wir in den neuen Räumen bereits sieben Präsentationen zu archäologisch-historischen Themen, aber auch Ausstellungen zeitgenössischer Kunst zeigen.

Das Lobdengau-Museum hat mehrere Kooperationen abgeschlossen. Zu welchem Zweck?

Als Beispiel möchte ich nur die jüngste Vereinbarung nennen: Vor einigen Tagen hat die Universität Heidelberg, vertreten durch ihren Rektor, Professor Bernhard Eitel, und den Direktor des ‚Heidelberg Center for Cultural Heritage‘, Professor Christian Witschel, mit Bürgermeister Rainer Ziegler und dem Museum einen Vertrag ratifiziert. Damit wird eine Partnerschaft besiegelt, die in den vergangenen zwei Jahren gewachsenen ist: Das Museum ermöglicht es den kulturwissenschaftlichen Institutionen, museumspraktische Lehrveranstaltungen durchzuführen, Experten der Universität beraten uns im Gegenzug bei der Analyse von Exponaten und beim Erstellen von Konzepten für Ausstellungen. Schließlich bindet uns die Universität in Forschungsprojekte ein, die besondere Fragestellungen verfolgen. Derzeit ist das Museum an drei derartigen ‚Drittmittelprojekten‘ als Partner beteiligt.

Wie haben sich die Besucherzahlen entwickelt? Kommen auch jüngere Gäste in die städtische Einrichtung?

In den vergangenen drei Jahren haben sich diese Zahlen kontinuierlich gesteigert (2011: 3808 Gäste; 2014: 5924 Gäste). Daran hat auch die Zunahme der Besuche von Schulklassen und Kindergartengruppen einen gewichtigen Anteil. Hinzu kommen zwei neue Kooperationen, an denen historisch besonders interessierte Schüler teilnehmen. In dem von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten Projekt ‚Denkwerk‘ arbeiten wir mit dem Institut für Fränkisch-Pfälzische Geschichte und Landeskunde sowie dem Ladenburger Carl-Benz-Gymnasium und dem Heidelberger Kurfürst-Friedrich-Gymnasium zusammen und untersuchen das Mittelalter in der Region. Mit dem ‚Life-Science Lab‘ des Deutschen Krebsforschungszentrums organisieren wir eine ‚Archäologie-AG‘.

Was möchten Sie in naher Zukunft umsetzen?

Es gibt eine anspruchsvolle und drängende Aufgabe: In nächster Zeit werden wir eine Neukonzeption für alle Abteilungen des Hauses erstellen. Schrittweise sollen die Präsentation der Exponate und die erläuternden Texte überarbeitet, ergänzt und modernisiert werden. Außerdem wollen wir das pädagogische Angebot für Schulen und Kindergärten erweitern.

Wie soll das Museum in zehn Jahren aussehen? Wird es ein "Zuschussbetrieb" bleiben?

Dann wird das Haus hoffentlich an sechs Wochentagen geöffnet haben und in der Lage sein, die vielfältigen Wünsche, die jetzt an uns herangetragen werden, zu erfüllen. Das Spektrum unserer Besucher reicht schließlich vom Familienausflug über den ausländischen Tagestouristen bis zum historischen Verein. Seit zwei Jahren erwirtschaftet das Museum Einnahmen. Abgesehen von Eintrittsgeldern und Spenden handelt es sich um projektbezogene Zuschüsse, etwa durch eine Landesstiftung. Eine Fortsetzung dieses Trends wird sich günstig auf das Verhältnis zwischen Investitionen seitens der Kommune und den Einnahmen auswirken.

Wie wichtig ist Ihnen die Unterstützung des Ladenburger Geschichtsvereins, dem Heimatbund?

Ein mitgliederstarker Verein ist eine wertvolle ehrenamtliche Bereicherung, sofern er dynamisch agiert, jung bleibt und die Erfordernisse der Zeit erkennt.

Welche Aufgaben soll die neu gegründete Museumsstiftung übernehmen? Gibt es schon Projekte?

Die neue Stiftung ‚Lobdengau-Museum‘ wird uns dabei helfen, dringend nötige Anschaffungen zu ermöglichen.

Können Sie etwas über die Höhepunkte im Jahr 2015 sagen, die im Museum geplant sind?

Wir begründen eine eigene Publikationsreihe für das Museum. Der erste, von mehreren Autoren erstellte Band, wird bald öffentlich vorgestellt. Am Internationalen Museumstag werden wir wieder ein attraktives Programm bieten, und es wird in diesem Jahr drei schöne Sonderausstellungen geben - noch muss ich mich allerdings mit der Bekanntgabe zurückhalten … .
(Axel Sturm)




© diverse Medien, Januar 2015

Kooperationsvertrag zwischen Stadt und Universität

Die Kooperation zwischen dem Lobdengau-Museum und der Universität Heidelberg trägt bereits seit zwei Jahren Früchte. Jetzt wurde sie während eines vom Duo Armani musikalisch begleiteten Empfangs im Lobdengaumuseum auf eine vertragliche Basis gestellt.

Welchen Wert die Universität dem Projekt beimisst, zeigt schon allein die Tatsache, dass Rektor Prof. Dr. Bernhard Eitel den Vertrag unterschrieb. "Geschichte ist meine Leidenschaft", bekannte das Oberhaupt der Universität und betonte, dass sich in Ladenburg die Gelegenheit biete, "etwas zu unternehmen, was Sinn macht". Sinn macht es, so Prof. Eitel, dass die Universität der Stadt ihre wissenschaftliche Expertise zur Verfügung stellt, ebenso dass Studenten praktisch arbeiten und sich auf bestimmte Berufsfelder vorbereiten können.

Er ist sicher, dass beide Seiten von dieser Kooperation profitieren "Eine klassische Win-win-Situation", meinte er, und "ein prima Projekt". Der Rektor lobte Ladenburg als "schönen Ort" und zeigte sich überrascht von den großzügigen Räumlichkeiten des Lobdengaumuseums: "Kompliment, und es ist sehr schön eingerichtet.

Ziegler lobt Dr. Hensen

Das freute den Bürgermeister, der Prof. Eitel sofort als "Botschafter unserer Stadt" einstellen würde. Eine Stadt der Größe Ladenburgs könne ihr großes historisches Erbe nicht allein bewahren, fuhr Rainer Ziegler fort. Deshalb brauche man Partner. Ein Lob für Dr. Andreas Hensen: "Seit er da ist, gibt es viel stärkere Kontakte zur Universität." Der Museumschef hatte zuvor die Gäste begrüßt. Seit zwei Jahren sei die Universität ein zunehmend wichtiger Partner geworden, betonte er und erinnerte an Lehrveranstaltungen in der Stadt sowie an den erfolgreichen Workshop "Ladenburg und der Lobdengau zwischen dem 3. und 9. Jahrhundert nach Christus".

Ein Pionier dieser Zusammenarbeit ist der Althistoriker Prof. Dr. Christian Witschel, der als Geschäftsführender Direktor das Heidelberg Center for Cultural Heritage (HCCH) leitet. "Ich freue mich, dass wir den ersten Kooperationsvertrag des HCCH mit Ladenburg abgeschlossen haben,", bemerkte er. "Und mit dem Vertrag soll die fruchtbare Zusammenarbeit noch intensiviert werden."

Man habe auch das Zentrum für angewandte Kulturwissenschaft des Karlsruher Instituts für Technologie mit ins Boot genommen, erläuterte der Professor. Ein gemeinsames Projekt sei die Untersuchung der Ladenburger Jupitergigantensäule mit modernsten Mitteln sowie deren "Sichtbarmachung" mittels 3-D-Technik.

Ein weiterer Workshop werde vorbereitet, und im Frühjahr 2017 soll eine Ausstellung über Ladenburg zwischen Spätantike und Frühmittelalter eröffnet werden. "Auch den Wissenschaftlern erschließt sich ein spannendes Forschungsfeld", fuhr Prof. Witschel fort. Denn in Ladenburg müsse noch viel historische Grundlagenarbeit geleistet werden.

Im Anschluss an die Reden trug sich Prof. Eitel in das Goldene Buch der Stadt ein, als erster Rektor der Universität Heidelberg, wie Bürgermeister Ziegler anmerkte.




© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 4.12.2014

Stadt überstand die „dunkle Epoche“

Zu den Gewissheiten der Stadtgeschichte zählte lange, dass der Fall des Limes im Jahr 260 das Ende Lopodunums bedeutet hatte. Jetzt fasste der Heidelberger Althistoriker Prof. Matthias Witschel während des zweitägigen Workshops im Domhof in seinem Vortrag "Ladenburg und sein Umland in der Zeit nach der Mitte des 3. Jahrhunderts - Kontinuität oder Bruch?"den neuesten Forschungsstand zusammen. Rund 130 Zuhörer waren gekommen.

Sein Fazit vorweg: sowohl Bruch als auch Kontinuität. Denn einerseits existierte die Siedlung nach 260 weiter. Und die Beibehaltung des Ortsnamens deutet laut Prof. Witschel darauf hin, dass hier noch lange Menschen lebten, die eine vom Lateinischen abstammende Sprache benutzten. Andererseits waren im 4. Jahrhundert die römischen Verwaltungsstrukturen verschwunden, und die Siedlung hatte "fast alles von ihrer einstigen Monumentalität verloren".

Die Zeit nach der Mitte des 3. Jahrhunderts bezeichnete er als "dunkle Epoche" fast ohne schriftliche Überlieferung. Die Bewohner setzten sich aus romanisierten Germanen, Zuwanderern aus Gallien und anderen Gebieten des Reiches sowie eventuell "echten" Römern aus Italien zusammen. Es handelte sich meist um Menschen, die nach römischem Vorbild lebten und sich der Region zugehörig fühlten.

Unklare Indizien

Ob der Germaneneinfall von 233 nach Christus Ladenburg getroffen hat, wollte Prof. Witschel nicht entscheiden. Zwar gebe es Münz- und Metallhorte, die als Indizien dafür gedeutet werden könnten. Allerdings wären auch andere Motive für die Verbergung denkbar. Die in Brunnen gefundenen Götterbilder sind demnach ebenfalls keine klaren Beweise. Der Althistoriker erinnerte an die Jupitergigantensäule, die um 190 in einen Brunnen in Heidelberg-Neuenheim geworfen worden war. Zu früh für germanische Plünderer. Und Brandhorizonte könnten auch durch "normale" Schadensfeuer entstehen. Den Bau der Stadtmauer im frühen 3. Jahrhundert wertet Prof. Witschel allerdings als Reaktion auf ein "zunehmendes Unsicherheitsgefühl" in der Region.

Schlimmere Folgen hatte dann der Fall des Limes im Jahr 260, wobei der Referent nicht ausschließen wollte, dass die Besatzungen der Grenzbefestigung abgezogen worden waren, um in anderen Teilen des Reiches zu kämpfen. In der Folge lösten sich die Verwaltungsstrukturen auf, doch nach Auffassung des Referenten kam es nicht zu einer panikartigen Massenflucht. Als Indizien wertet er die Verbergung des Prunkportals und planmäßige Planierungen. Das könnten "Aufräumaktionen" von Überlebenden nach einem Angriff oder von ohne Panik abziehenden Bürgern gewesen sein.

Ein Teil der Bevölkerung blieb vor Ort, so Prof. Witschel. Dazu stießen wohl kleinere Gruppen von germanischen Neuzuzüglern. Wie sich anhand von Funden nachweisen lässt, bestanden im 4. Jahrhundert zudem rege Kontakte zum linksrheinischen Gebiet, das nach wie vor Teil des Römischen Reiches war.

Bei Ladenburg, so der Professor, handelte es sich im 4. Jahrhundert wohl um eine nicht unbedeutende Siedlung. Das scheint so geblieben zu sein, denn Schriftquellen ab dem 8. Jahrhundert betonen den städtischen Charakter. Auch dass man an den alten Ortsnamen die Bezeichnung "burg" anhängte, erscheint ihm als etwas, das "mehr darstellt als lediglich eine Reminiszenz an die glorreiche Vergangenheit", nämlich ein Zeichen der Kontinuität.
(k.b.)




© diverse Medien, November 2014

Denkwerk-Projekt: Schüler erforschen das Mittelalter

Historiker der Universität Heidelberg führen in wissenschaftliches Arbeiten ein – die praktische Umsetzung erfolgt im Lobdengau-Museum in Ladenburg

Junge Forscher tauchen ein in die Welt des Mittelalters: Mit dieser historischen Epoche beschäftigen sich derzeit Schülerinnen und Schüler des Kurfürst-Friedrich-Gymnasiums Heidelberg sowie des Carl-Benz-Gymnasiums Ladenburg, angeleitet von Wissenschaftlern der Universität Heidelberg. Die Jugendlichen (ab Klasse 9) werden in eigens entwickelten Seminaren an das wissenschaftliche Arbeiten herangeführt. Im Anschluss daran erarbeiten sie ein Ausstellungskonzept für das Lobdengau-Museum der Stadt Ladenburg. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt „Denkwerk Mittelalter. Schüler erforschen im Museum gesellschaftlichen Wandel“ ist am Institut für Fränkisch-Pfälzische Geschichte und Landeskunde angesiedelt. Es wird unter der Leitung von Prof. Dr. Jörg Peltzer in Kooperation mit dem Institut für Europäische Kunstgeschichte durchgeführt und von der Robert Bosch Stiftung mit 42.300 Euro gefördert.

„Mit diesem Projekt wollen wir die drei Lernorte Schule, Universität und Museum zusammenbringen. Unser Anliegen ist es, den Schülern Einblicke in aktuelle geisteswissenschaftliche Fragestellungen und berufliche Arbeitsfelder in diesem Bereich zu bieten“, erläutert Prof. Peltzer. Die Beschäftigung mit den andersartigen Gesellschaften des Mittelalters, so der Historiker, soll außerdem dazu beitragen, „den Blick für die Vielfalt von Gesellschaftsformen und Wertevorstellungen zu schärfen.“ Zugleich werden die Schüler für die Geschichte ihrer Region sensibilisiert.

Grundlage für die Arbeit der Schüler stellen Objekte aus der Zeit zwischen 300 und 1500 dar. Unter der Überschrift „Von den Römern zu den Franken“ werden sie ein Ausstellungskonzept zum Thema „Ladenburg im frühen Mittelalter“ erarbeiten. Ein zweiter Themenbereich trägt den Titel „Zwischen Bischof und Pfalzgraf. Ladenburg im späten Mittelalter“. „Im Museums-Teil ermuntern wir die Schülerinnen und Schüler ausdrücklich, eine eigene Perspektive einzubringen. Geschichte soll so vermittelt werden, dass das Projekt auch Jugendliche, die nicht daran beteiligt sind, anspricht“, betont der Leiter des Lobdengau-Museums Dr. Andreas Hensen, der auch Lehrbeauftragter am Seminar für Alte Geschichte und Epigraphik der Ruperto Carola ist.

Mit ihren Denkwerk-Projekten fördert die Robert Bosch Stiftung Kooperationen zwischen Wissenschaftlern, Lehrern und Schülern. Damit soll den Jugendlichen nicht zuletzt Hilfestellung bei der Wahl eines geeigneten Studienfachs geboten werden. Neben Prof. Peltzer sind auf Seiten der Universität Prof. Dr. Bernd Schneidmüller vom Institut für Fränkisch-Pfälzische Geschichte und Landeskunde sowie Prof. Dr. Matthias Untermann vom Institut für Europäische Kunstgeschichte beteiligt. Die Betreuung in den Schulen liegt bei den Geschichtslehrern Frederik May (Kurfürst-Friedrich-Gymnasium) und Sandra Barthel (Carl-Benz-Gymnasium).




© Mannheimer Morgen, Montag, 11.10.2014

„Schönes Stück“ bereichert Sammlung

Die kleine, aber feine Sammlung von exquisitem Porzellan aus der kurfürstlichen Manufaktur Frankenthal im Ladenburger Lobdengau-Museum ist um ein weiteres Exemplar reicher: Die Brüder Hans und Horst Wilser aus Heidelberg haben auf Anregung des in Ladenburg lebenden Auktionators Mike Metz eine Platte aus dem Jahr 1765 gestiftet.

Eingangs einer Führung der Heidelberger "Akademie für Ältere" mit Hans Wilser an der Spitze nahm Museumsleiter Dr. Andreas Hensen das "schöne Stück" aus der Frühzeit jener Produktion ab 1755 dankbar entgegen. Die Platte ist am Rand mit einem Weidenflechtmuster verziert und mit Blumenbouquet bemalt. Ihr Wert ist noch nicht bekannt. Wie Dr. Hensen ausführte, sind die Wilsers Nachfahren des Unternehmers und Ziegelei-Besitzers Wilhelm Ludowici (1855 bis 1929), der als Archäologe zu Lebzeiten das römische Rheinzabern erforschte und ein bis heute gültiges Standardwerk über Terra Sigillata (römische Keramik) verfasste. Die kürzlich verstorbene Mutter von Hans und Horst Wilser hatte die Porzellansammlung von ihrem Onkel übernommen.
(p.j.)




© Mannheimer Morgen, Montag, 26.09.2014

In 1500 Kartons schlummert die Geschichte der Stadt

Den scheinbar endlos langen Gang im Dachgeschoss des Lobdengau-Museums bekommt kein Besucher zu sehen. Hier lagern die Funde aus den Grabungen von Dr. Heukemes in Ladenburg. Und Manfred Benner hat von der Denkmalpflege die Aufgabe erhalten, alles, was in den 1500 Kartons enthalten ist, zu katalogisieren und mit den berühmten Fundtagebüchern des Ladenburger Ehrenbürgers abzugleichen.

Wie viele Fundstücke in den vergangenen drei Jahren durch seine Hände gegangen sind, weiß Manfred Benner nicht zu sagen. Aber mehrere 10.000 waren es ganz bestimmt, von der Steinzeit bis zur Gegenwart. In einem Karton, der gerade auf dem Tisch steht, liegt Römisches. Es handelt sich um unspektakuläre Funde, die der in Ladenburg unvergessene Heinrich Fetzer in den 1960er Jahren auf seinen Äckern im Gewann "Ziegelscheuer" gemacht hat. So erhielt Dr. Heukemes erste Hinweise auf die dort im Boden liegenden Reste einer Villa Rustica.

Die Kartons sind teils gut, teils spärlich beschriftet. Oft hilft ein Vergleich mit den Angaben in den früher geheimnisumwitterten Grabungstagebüchern von Dr. Heukemes weiter. "Zu seinen Lebzeiten durfte da niemand reinsehen", erläutert Manfred Benner. 54 Bände gibt es für Ladenburg, weitere 50 für die Stadt und den alten Landkreis Heidelberg. "Es ist nicht das, was man als exakte Grabungsdokumentation kennt, sondern er hat aufgeschrieben, was ihm wichtig schien", fährt der Archäologe fort. Da Dr. Heukemes über Jahrzehnte oft Notgrabungen auf großen Arealen machen musste, war mehr auch nicht möglich, begründet Benner: "Denken Sie nur an die vielen Baustellen damals. Da musste er von einer zur anderen springen." Auch für die Gegenwart und die Zukunft haben die Tagebücher eine große Bedeutung, denn durch die Notizen weiß man bei Bauvorhaben, wo mit was zu rechnen ist.

Es gibt eine Theorie, die besagt, dass "Grabungen" im Depot oft den gleichen Ertrag bringen wie solche im Freien. Sie trifft auf den Nachlass Heukemes bisher nicht zu. Manfred Benner deutet auf die erwähnten Funde von Heinrich Fetzer: "Sie sehen ja, was da drin liegt. Das ist das tägliche Brot." Dr. Heukemes habe ein "unheimliches Verständnis" für Funde gehabt, begründet er die Tatsache, dass bisher nichts Spektakuläres aufgetaucht ist. Denn dem 2009 verstorbenen Ladenburger Ehrenbürger ging es darum, die Menschen für die Archäologie zu begeistern. Deshalb stellte er besondere Funde rasch nach deren Auffindung in Ausstellungen, bei Vorträgen oder in Zeitungsberichten vor.

Dr. Heukemes galt als Experte für Römisches. Doch auch mittelalterliche Funde hat er gesammelt, beispielsweise viel von Bischofshof oder Sickinger Hof. "Sie waren für ihn genauso wichtig wie alle anderen Funde", betont Manfred Benner. Die Einordnung dieser Dinge ist nicht immer einfach, wie der Archäologe bedauert. Denn: "Die mittelalterliche Siedlungsgeschichte von Ladenburg ist leider unerforscht."
(k.b.)




© Mannheimer Morgen, Montag, 01.09.2014

Von Lopodunum bis nach Ladenburg

Die Geschichte einer der ältesten Städte Deutschlands vor Ort greifbar erleben. Wer diese Erfahrung machen will, muss nicht weit verreisen, sondern wird gleich vor der eigenen Haustür fündig. Auf eine solche Zeitreise nimmt nämlich das Lobdengau-Museum in der Ladenburger Altstadt seine Gäste mit. "Wir wollen alle Epochen der Geschichte der Stadt und Region darstellen, von der Altsteinzeit, bis gestern", beschreibt Dr. Andreas Hensen, Leiter des Museums.

Schon bevor man das Gebäude betritt, lohnt es sich genauer hinzuschauen. Aufgrund seiner charakteristischen Bemalung aus dem 16. Jahrhundert, die mit aufgemalten Quadern scheinbar dreidimensional wirkt, ist dieses ein echter Blickfang. Aber das Gebäude ist nicht nur architektonisch bemerkenswert, sondern als früherer Nebensitz der Wormser Bischöfe selbst Zeuge einer wichtigen Epoche der Stadtgeschichte. Manche Teile des Bauwerks, wie beispielsweise die im Keller verbauten Werksteine aus der Römerzeit, sind sogar deutlich älter. "Der besondere Charme des Gebäudes ist, dass es die Stadtgeschichte selbst widerspiegelt", berichtet Hensen.

Ein besonderes Highlight für die Gäste sind sicherlich die zahlreichen Exponate zum Thema Römer, da Ladenburg für diese Zeit einzigartige Voraussetzungen bietet. "In Südwestdeutschland gehört das römische Ladenburg zu den am besten erforschten Siedlungen, das ist ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt", erläutert Hensen. Die einzigartigen Schätze aus dieser Zeit können Besucher im "Römerkeller" des Lobdengau-Museums bewundern. "Es ist ja typisch in dieser Stadt, man baut und stößt dabei auf Reste der römischen Siedlung", beschreibt Hensen.

Spektakuläres Prunktor

Eher zufällig waren beispielsweise bei Bauarbeiten zum Carl-Benz-Gymnasium 1973 die Beschläge eines Prunkportals entdeckt worden, deren Kopien im Museum ausgestellt werden. "Das ist schon etwas Besonderes, denn solche Beschläge sind sonst nicht in der Größe und Qualität erhalten geblieben", beschreibt Hensen. In der Außenstelle des Lobdengau-Museums "Römisches Forum" in der Metzgergasse können sich die Besucher auch anhand eines originalgetreuen Nachbaus ein genaues Bild von den Ausmaßen des Tores machen.

Im Römerkeller erwacht zudem das damals wohl auffälligste Bauwerk Lopudunums, ein monumentales Forum samt Basilika, zum Leben. In einem fünf-minutigen Video lädt das Museum den Besucher auf eine virtuelle Erkundungstour durch das Gebäude ein, welches als größtes Bauwerk dieser Art in Süddeutschland gilt. Die aufwendige dreidimensionale Rekonstruktion entstand in Zusammenarbeit mit zahlreichen Fachleuten und demonstriert eindrucksvoll plastisch die imposanten Ausmaße des Gebäudes. "Das Forum war bereits sehr gut untersucht und wir hatten dann das Ziel, die schriftlich publizierten Ergebnisse anschaulich zu machen", erläutert Hensen.

Auch die im Bauwerk allgegenwärtige Zeit der Bischöfe greift die Ausstellung auf. So präsentiert das Museum verschiedene Kostbarkeiten aus der Epoche in einem Rundgang. Als besonderes Highlight können Besucher mit dem mutmaßlichen Grab des Bischofs Ludwig-Anton von Pfalz Neuburg eine der bedeutendsten Entdeckungen des Museumsgründers Dr. Berndmark Heukemes anhand verschiedener Funde aus nächster Nähe unter die Lupe nehmen.

Anonymes Bischofsgrab

Der Leichnam des geistlichen Würdenträgers, der anonym in Ladenburg bestattet worden sein soll, wurde bei Renovierungsarbeiten in der Sebastianskapelle entdeckt und von Heukemes identifiziert. Die Handschrift des Museumsgründers ist auch im weiteren Verlauf der Ausstellung eindeutig zu erkennen. Beispielsweise können die Besucher dessen eindrucksvolle Sammlung von Bauernschränken aus dem Odenwald bewundern. "Das ist ein ganz eigenes Thema mit interessanter Symbolik", zeigt sich Hensen begeistert.

Schließlich erwartet den Museumsgast auch das heutige Ladenburg, das allerdings nicht in einer Vitrine ausgestellt wird. Vielmehr kann er dieses bei einem beeindruckenden Blick über die Altstadt von einem Erker des Museums aus genau betrachten. Und auch nach der Ausstellung gibt es in der nahen Umgebung viel Historisches zu entdecken, wie beispielsweise freigelegte Reste des Forums in der Metzgergasse oder der Basilika an der St. Gallus-Kirche. "Das Schöne ist, dass man einfach nur aus dem Museum rausgehen muss und dann alles direkt in der Stadt sieht", betont auch Hensen. Daher bietet sich die Ladenburger Altstadt dazu an, den Ausflug mit einer Erkundungstour auf den Spuren von Römern und Bischöfen ausklingen zu lassen.
(m.s.)




© Mannheimer Morgen, Freitag, 25.07.2014

Wir hatten viele neue Besucher

Dr. Andreas Hensen, der Leiter des Lobdengau-Museums, versucht, mit Kunstausstellungen, Konzerten und Lesungen sein Haus in der Region und darüber hinaus bekannter zu machen. Darüber und über künftige Projekte sprachen wir mit ihm.

In den vergangenen Monaten haben Sie im Lobdengau-Museum ein regelrechtes Feuerwerk von Veranstaltungen abgebrannt.

Dr.AndreasHensen: Es war schon sehr viel. Ich hätte es gern etwas gestreckt. Aber man muss sich auch nach den Künstlern richten. Die Veranstaltungen wurden sehr stark wahrgenommen. Und wir hatten viele neue Besucher, die das Haus bisher nicht kannten. Manche kamen über die Kunst und Musik und interessierten sich dann für Stadtgeschichte.

Wie geht es weiter?

Hensen: Wir werden uns jetzt auf die Weiterentwicklung der Museumspädagogik konzentrieren, vom Kindergarten bis zur gymnasialen Oberstufe, hier verzeichnen wir eine große Nachfrage. Und eventuell soll es in diesem Jahr noch eine kleine Sonderausstellung geben.

Die Besucherzahlen steigen?

Hensen: Ja. Das liegt vor allem an den Gruppen, die Sonderführungen zu speziellen Themen wollen. An erster Stelle steht die Römerzeit. Aber das Thema "Kaiser, Bischöfe, Kurfürsten", also Mittelalter und Frühe Neuzeit, wollen wir stärker anbieten. Wir bereiten für 2016 eine große Ausstellung zur Übergangszeit von der Antike zum frühen Mittelalter in der Region vor. Dabei gibt es eine Kooperation mit der Universität Heidelberg und der Landesarchäologie.

Gibt es weitere Kooperationen?

Hensen: Professor Jörg Peltzer vom Institut für Fränkisch-Pfälzische Geschichte hat Mittel von der "Denkwerk"-Förderlinie der Robert-Bosch-Stiftung erhalten, die in eine Kooperation mit Schulen, unter anderem dem CBG, fließen. Schüler werden anhand ausgewählter Exponate des Lobdengaumuseums an das wissenschaftliche Arbeiten in mittelalterlicher Geschichte und Kunstgeschichte herangeführt. Es geht dabei natürlich um das mittelalterliche Ladenburg.

Wie soll die Neukonzipierung des Museums aussehen?

Hensen: Wir wollen nach und nach alle Abteilungen überarbeiten und klare thematische Schwerpunkte schaffen. Das kann auch bedeuten, dass man Dinge weglässt. Vorgeschichte und Römerzeit bleiben natürlich wichtige Schwerpunkte. Klar abgegrenzt wird die Abteilung Frühes Mittelalter, Stichwort Alamannen und Franken. Große Themen sind die Herrschaft der Wormser Bischöfe, von der Kurpfalz zum Königreich Baden, die Badische Revolution in Ladenburg und die Spuren jüdischen Lebens. Die Sammlung der Odenwälder Bauernschränke bleibt, auch weil sie viele Besucher anzieht. Ein neues Thema soll das 20. Jahrhundert sein.

Wie wollen Sie das alles unterbringen?

Hensen: Die Breite ist nur dann möglich, wenn wir uns bei den Exponaten auf die wichtigsten beschränken. Man darf nicht den Fehler machen, jeden Quadratzentimeter auszunutzen, weil das die Besucher erschlägt.

Was gibt es 2015 zu sehen?

Hensen: Da haben wir ein attraktives, aber auch etwas kurioses Thema. Mit Rücksicht auf die Leihgeber kann ich allerdings noch nichts darüber sagen.




© SWR, Donnerstag, 12.06.2014

Lobdengau-Museum bietet neuen Service

Das Lobdengau-Museum bietet seinen Besuchern einen völlig neuen Service. Kleine Bluetooth-Funksender versorgen die Smartphones beim Besuch der Ausstellungen mit Informationen. Studenten der Dualen Hochschule Mannheim haben diese Neuerung für die neu gegründete "Stiftung Lobdengau Museum" eingerichtet. Andreas Hensen, Leiter des Museums, ist begeistert von der neuen Technologie und will die kleinen Sender auch außerhalb des Museum einsetzen.




© Mannheimer Morgen, Dienstag, 20.05.2014

Lobdengau-Museum beteiligt sich am 37. Internationalen Museumstag

Das Lobdengau-Museum in Ladenburg wartete zum 37. Internationalen Museumstag mit einer Premiere und einer absoluten Besonderheit auf. Mit einer Führung in lateinischer Sprache dürfte das Museum einen einzigartigen Programmpunkt in Baden-Württemberg angeboten haben. Unter "Latein ist fein" erläuterte Hartmut Dietrich in der Sprache der Römer archäologische Funde wie beispielsweise Münzen aus der Römerzeit, das Sol-Mitras-Relief oder die gefundene Jupitergigantensäule.
Für kleinere und größere Besucher war die römische Baustelle Lopodunum mit Auxiliarsoldat Secundus Alba (Jürgen Kettner) vom Odenwaldlimes höchst sehenswert. Eine ganze Reihe naturgetreuer kleiner römischer "Baustellen" wie Bockkran, Steinsäge mit Wasserradantrieb, Drechselbank für Steinsäulen oder Brahm (Flachboot mit einem Tiefgang von 60 Zentimeter und einer Tragkraft von 40 Tonnen) sowie ein römisches Messinstrument (Groma) als Holzmodelle waren im Museumshof zu sehen.
Mitglieder des Heimatbundes boten mehrere Kurzführungen zu verschiedenen Themen an. "Jüdisches Ladenburg" war das Thema von Ingrid Wagner. Nicht minder interessant die Führung von Kumar Mukherjee zu "Die Sammlung der Bauernmöbel". Hier erfuhren die Besucher, dass dies die größte Baier-Schränke-Sammlung Deutschlands ist. Klaus Oberhettinger ließ wissen, dass neben den Römern, später auch die Bischöfe im Mittelalter das kulturelle Leben in Ladenburg sehr geprägt haben. Interessierte Besucher fanden sich auch im Ausstellungsbereich Metzgergasse ein. Hier zeichneten Marion Kuhn und Evelyn Bausch für die Führungen verantwortlich. Als "Prunkstücke" sind in der Außenstelle "Forum" unter andere eine bemalte römische Wand und die bronzenen Beschläge an einer Tempeltür zu sehen. Die Stiftung Lobdengau-Museum betrieb am Museumstag ein Museumscafé in der "Alten Kochschule", das gut frequentiert wurde. Museumsleiter Dr. Andreas Hensen zeigte sich ebenfalls sehr zufrieden mit der Besucherzahl und erhielt viel Lob von den Besuchern für seinen eingeschlagenen Weg, der Öffentlichkeit das Museum zu präsentieren. "Mitzumachen an einem solchem Tag sei für ihn Ehrensache", ließ Hensen wissen.




© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 15.05.2014

Arbeiten von 17 kreativen Frauen begeistern Kenner

Über rund 120 Besucher bei der Eröffnung der Ladenburger Ausstellung der Heidelberger Künstlerinnen-Gemeinschaft GEDOK freuten sich neben den Macherinnen auch Gastgeber Dr. Andreas Hensen vom Lobdengau-Museum. Voll des Lobes für die bis einschließlich 1. Juni laufende Konzeptschau von 17 kreativen Frauen unter dem Titel "Konservierung" äußerte sich der bekannte Ladenburger Künstler Hans-Michael Kissel nach einem Rundgang mit seiner Ehefrau.
"Man sieht selten eine so interessante und fantasievolle Ausstellung", erklärt der Gestalter bundesweit gefragter wind-kinetischer Objekte als Gast und führt weiter aus: "Zumal das Konzept eine eindeutige Vorgabe ist, erstaunt umso mehr die Kreativität und das spricht für die Fantasie der Frauen." Museumsleiter Hensen hebt hervor, dass dies bereits die vierte Präsentation zu Geschichte, Archäologie und zeitgenössischer Kunst seit Eröffnung der neunen Sonderausstellungsräume ist.
Für die Heidelberger GEDOK-Gruppe sprach Vizechefin Gloria Bahne. Ihr Dank galt u.a. Dr. Hensen vom städtischen Museum, der seine Mitarbeiterin Erika Duske für ihre umsichtige Vorbereitung lobte.
(pj)




© Mannheimer Morgen, Montag, 7.12.2013

Geballte wissenschaftliche Kompetenz für die Römerstadt

Wenn Prof. Dr. Christian Witschel über Ladenburg spricht, gerät er ins Schwärmen: "Es gibt kaum eine Stadt mit so viel Potenzial, mit einer Bausubstanz, die bis in frühe Zeit zurückreicht." Der Althistoriker an der Universität Heidelberg ist der Auffassung, dass die Stadt mit diesem Pfund noch mehr wuchern könnte. Und als Geschäftsführender Direktor des Heidelberg Center for Cultural Heritage (HCCH) hat er die Möglichkeit, viel für Ladenburg zu tun. Denn in diesem Zentrum für Kulturelles Erbe arbeiten wissenschaftliche Einrichtungen der Universität, externe Einrichtungen und einzelne Wissenschaftler zusammen. Dadurch bietet es geballte Kompetenz.

Und die möchte Prof. Witschel in der Kooperation mit dem Lobdengaumuseum zum Tragen bringen. Zu den HCCH-Projekten zählen die Patenschaften mit acht Museen, darunter den Reiß-Engelhorn-Museen in Mannheim (REM) und dem Badischen Landesmuseum in Karlsruhe. "Ich bin stolz, dass wir gemeinsam mit den REM aufgenommen wurden", stellt Dr. Andreas Hensen fest. Er und Prof. Witschel kennen sich schon lange, da der Ladenburger Museumschef Lehraufträge an der Universität Heidelberg wahrnimmt. Zusätzliche Anstöße liefert der kürzlich etablierte Beirat des Lobdengaumuseums, dem ebenfalls mehrere Heidelberger Professoren angehören.

Es geht bei der Kooperation um gemeinsame Ausstellungs- und Forschungsprojekte. Das HCCH liefert die Resultate der Grundlagenforschung, und die Stadt organisiert Ausstellungen sowie eventuell einen archäologischen Rundweg. Denn nach Auffassung von Prof. Witschel sollten auch die Rundwege neu geordnet werden.
(k.b.)




© Mannheimer Morgen, Samstag, 26.04.2014

„Diese Vitrine kriegen wir voll“

"Ein kleiner, feiner Meilenstein zur Steigerung der Attraktivität des Museums", freute sich Bürgermeister Ziegler und nahm ganz vorsichtig eines der beiden im späten 18. Jahrhundert in der Kurpfälzischen Manufaktur Frankenthal hergestellten Tafelgefäße in die Hand. Sein Dank galt nicht nur den Stiftern Thomas Thieme und Michael Stern, sondern auch dem "Anstifter" Mike Metz. Dieser wählt für Ladenburg geeignete Stücke aus und gewinnt Menschen, die sie dem Lobdengau-Museum schenken. Es war die mittlerweile fünfte Stiftung, die der Mitinhaber eines Auktionshauses vermittelt hat, darunter im April 2013 übrigens zwei Teller aus Frankenthaler Porzellan.
"Wir wollen das bürgerliche Leben dieser Zeit illustrieren", erläuterte Museumsleiter Dr. Andreas Hensen die Bestimmung der zerbrechlichen Kostbarkeiten. Kurz schilderte er die Geschichte der Manufaktur, die 1755 von Kurfürst Carl Theodor gegründet worden war und 1799, nach dem Wegzug des Hofes nach München, die Produktion einstellte. Die Tradition setzt die Nymphenburger Porzellanmanufaktur fort. Mike Metz zeigte das Signum "CT" für Carl Theodor auf dem mit Vögeln verzierten Teller, der ins Jahr1789 datiert ist (Bild). Die ovale Schale mit Blumendekor dürfte seiner Auffassung nach zwischen 1785 und 1790 entstanden sein. Dass ein Teil des Dekors fehlt, wertet der Fachmann als Besonderheit: "Wegen des klaren Produktionsfehlers ist er hochinteressant." Da beide Tafelgefäße keinen Goldrand haben, waren sie nicht für den Hof, sondern für bürgerliche Kundschaft bestimmt. Thomas Thieme ist als FV 03-Vorsitzender bestens bekannt. Mit der Stiftung möchte er seine Sympathie für das Lobdengau-Museum zum Ausdruck bringen. Michael Stern, Inhaber eines Autohauses in Leimen, fühlt sich der Ladenburger Geschichte und Gastronomie verbunden. Mike Metz ist sicher, dass noch mehr Stiftungen kommen. Mit Blick auf eine leere Vitrine meinte er: "Die kriegen wir voll."
(p.j.)